#Sehnsucht Familie

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In diesen Tagen war es wieder soweit. Das Thema Familie nahm einen großen Raum ein.

Zuerst schrieb ich endlich einen Brief für 2 Familienangehörige fertig und schickte ihn ab. Viele Monate steckte ich Kraft, Gefühle und Gedanken hinein. Nun fühlte ich mich zum einen erleichtert und zum anderen erschrak ich um die Wahrhaftigkeit der geschriebenen Worte.
Das war alles sehr aufregend und ich war froh, als ich dieses Ziel nun endlich erreicht hatte.

Und dann, diese Woche, der Besuch einer ganz tollen Person aus meiner Familie, die nicht in Deutschland, sondern in Österreich lebt.

Diese Person hatte es selbst oft nicht leicht in ihrem Leben, weil sie immer etwas aus der »Norm« fiel. Sie wurde von der Familie zum Teil ausgegrenzt, gemieden und diskriminiert. Aber sie hat sich immer gerade in den Wind gestellt und positiv auf alles reagiert, was ihr widerfahren ist. Sie hat den Kopf immer wieder gerade auf die Schultern gesetzt und ist weitergegangen. Ich habe in den letzten 30 Jahren viel von ihr gelernt. Sie hat mir gezeigt, wie man dem Leben begegnen kann, auch wenn das Wasser noch so rau um sich schlägt. Wir haben uns vielleicht ein bis zweimal im Jahr gesehen – und das mein Leben lang. Doch dies reichte, um mir ein Vorbild zu sein! Ich bin sehr glücklich, dass ich sie kennen lernen durfte, sie ein Teil meines Lebens war und ist, sie mich liebt und, das Wichtigste, sie mir dies immer wieder zeigen kann!

Manchmal sind es einzelne Menschen, ein paar Begegnungen, die unser Leben in andere Bahnen lenken. Und der einzige Grund liegt in der wahrhaftigen Beziehung zueinander und / oder in der spürbaren Liebe.

Leider konnten wir uns auch dieses Mal nur ein paar Stunden sehen, aber ich habe es so sehr genossen! Jede Minute!

Und als sie dann wieder weg war, roch ich voller Sehnsucht noch nach ihrem Parfüm in der Luft meiner Wohnung.

So ist es oft, wenn geliebte Menschen gehen.

Ich habe Sehnsucht.

Es gibt nicht viele Menschen, nach denen ich im Alltag wirklich Sehnsucht habe. Aber wenn genau diese Menschen dann mal da sind und wieder fahren, versinke ich oft in ein Loch. Ich spüre dann umso mehr, dass dies einzelne kleine Momente in meinem Leben sind. In einem Jahr kann ich sie an einer Hand, eher noch an ein paar Fingern abzählen. Ja, das macht sie kostbar, aber es zeigt mir auch immer wieder auf, wie einsam es ist, allein ohne Familie zu leben.

Viele Menschen auf dieser Erde leben irgendwo ohne Familie – und das nicht, weil sie es sich selbst so aussuchen wollten. Entweder verdienen sie irgendwo Geld, vllt. auch um ihren Familien Geld zu schicken, sie sind getrennt voneinander durch Hunger und Kriege oder sie haben ihre Familie auf die eine oder andere Weise verloren.

Letztendlich bleibt bei allem eins: das Gefühl sich aufrecht hinstellen zu müssen, ohne die Möglichkeit zu haben, sich mal links oder rechts anlehnen zu können – so wie es oftmals in Familien angedacht ist. Mit Verantwortung alleine durch dieses Leben zu gehen, keine Möglichkeiten nach Rat zu fragen, sich vollkommen fallen zu lassen oder gemeinsam lebenslange Erinnerungen zu schaffen. Denn das ist es doch, was Familie ausmacht. Man versteht sich nicht immer, aber den Weg ist man gemeinsam gegangen.

Zumindest dann, wenn man selbst nicht an sowas wie »Familie« zerbrochen ist.

Heute ist wieder ein Tag, an dem die Sehnsucht nach Familie wiedererweckt ist.

Ich stehe etwas neben mir.

Einfach nur zusammen Café trinken, Kuchen essen, über alte Geschichten reden, zusammen einkaufen gehen, lachen, sich in ein gemachtes Bett legen…
Eigentlich so banal. Und doch so essentiell.

In ein paar Tagen wird die Präsenz meines lieben Besuchs wieder verflogen sein.
Meine Gefühle werden wieder den »Alltagsmode« erreichen. Darauf freue ich mich.

Denn bei aller Freude begleitet mich in solchen Zeiten auch immer die Trauer um die Seltenheit dieser warmen Gefühle rund um Geborgenheit, bedingungslos geliebt werden und einer gewünschten Normalität von Familie.

Und – egal wie schön es ist – bin ich froh, wenn mit der frischen Erinnerung auch die Trauer wieder geht… Und die Sehnsucht nach meiner Familie verblasst.

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