#EMDR: Die Schmetterlinge

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⏱ Geschätzte Lesedauer: 10 Minuten

Triggerwarnung:
Die Artikelreihe #EMDR wird genauere Beschreibungen von unheimlichen Situationen und Gewalterfahrungen aus Kindheit und Jugend beinhalten.
Außerdem kommt es zu Aufzählungen und Beschreibungen von Verletzungen.
Bitte lies Dir diese Artikelreihe nur durch, wenn Du Dich dafür stabil genug fühlst.
Achte gut auf Dich.
Hier kommst Du nochmal zur allgemeinen Triggerwarnung
(einschließlich Hilfetelefonnummern) der Website TRAUMALEBEN.


Intro

Folgende Artikel gehören zu dieser Reihe:

  1. Therapieerfahrungen
  2. #EMDR: Wer Wie Was?
  3. #EMDR: Der Brunnen
  4. #EMDR: Die Schlucht – Umgang mit Scham in der Therapie
  5. #EMDR: Der Weg
  6. #EMDR: Die Schattenmonster
  7. #EMDR: Der Abfall
  8. #EMDR: Die Schmetterlinge

Alle hier thematisierten inneren Szenarien / Situationen / Bilder während der EMDR-Sitzung sind zum Teil reale Abbilder meiner Vergangenheit, zum Teil symbolische Imaginationen von früher erlebten Emotionen und Situationen (also Bilder, die für etwas anderes stehen) sowie Szenen, die meiner Vorstellungskraft entspringen, um eine Linderung des gefühlten Leids hervorzubringen. Bei manchen aufkommenden und in dieser Reihe beschriebenen Gedanken und Situationen lässt sich heute nicht mehr sagen, ob es sich um real erlebte Situationen handelt oder nicht.

Das liegt vor allem daran, dass das tatsächliche kognitive Erinnerungsvermögen, wie wir es als Erwachsene kennen, erst ab dem ca. dritten Lebensjahr beginnt. Alle Geschehnisse davor sind zwar im Körper gespeichert, können jedoch meist nicht bewusst beschrieben werden. Auch wenn der Körper die psychischen und physischen Reaktionen auf gewaltvolle frühkindliche Erlebnisse irgendwo gespeichert hat und diese im Laufe des Lebens immer wieder zu Beschwerden führen, wissen Betroffene kognitiv meist nicht, woher die jetzigen Reaktionen aus dieser frühkindlichen Prägung kommen.
Neben diesen frühkindlichen „Erinnerungsdefiziten“ führen auch Verdrängungs- und Abspaltungsprozesse im weiteren Kindesalter und auch später dazu, dass Situationen nicht oder nur teilweise erinnert werden können.

Aus diesen Gründen sind die Inhalte meiner EMDR-Sitzungen nicht klar in reale und fiktive Geschehnisse zu unterteilen. Meine Erinnerungen sind lückenhaft und geprägt von Verdrängung sowie dissoziativen Zuständen. Letztendlich ist es jedes Mal eine EMDR-Geschichte, die aus sich selbst heraus entsteht und sich entwickelt. Der Verlauf ist jedes Mal vollkommen ungewiss und ergebnisoffen. Ihr erhaltet hier also stets einen Einblick in meine EMDR-Geschichten, die zum Teil real und zum Teil fiktiv sind – aber vor allem und immer wieder das Ziel einer Heilung durch ihren Verlauf anstreben.

Während den EMDR-Sitzungen etablierten sich während der Verarbeitung zwei Hilfsintrojekte: Mein Kind A. (mutig und nicht ängstlich, positiv, freudig) und eine gute Freundin als Fee (leicht, Zauberkraft, heilende Kräfte, redefreudig, einfühlsam, liebend). Wie es damit angefangen hat, kannst Du in der Sitzung „Der Weg“ nachlesen. In dem Beitrag „#EMDR: Wer Wie Was?“ habe ich bereits erläutert, was unter Hilfsintrojekten zu verstehen ist.

Was geschah in der Zeit der EMDR-Sitzung / Lebenssituation

Diese Sitzung fand im Juni 2020 statt – eine Zeit, in der ich immer noch dabei war meine digitale Weiterbildung zu absolvieren. Meine bereits in den vorherigen EMDR-Artikeln beschriebene grundlegende Erschöpfung durch diese hatte sich noch nicht gelegt. Dazu kam der Corona-Lockdown, die Auswirkungen der Kindergartenschließzeiten, der Anfeindungen durch die Maskenbefreiung usw.

Ein Tag vor dieser EMDR-Sitzung verschlimmerte sich mein psychischer Gesundheitszustand außerdem noch einmal gravierend durch den Fielmann-Vorfall am 22.06.2020. Du weißt nicht was da passiert ist? Dann lies es einfach hier noch mal nach. Zu den unmittelbaren Nachwirkungen gehörte eine Retraumatisierung: Ich stand „neben mir“, fühlte mich eine lange Zeit klein, wert-, nutz- und machtlos.

Alles in allem war ich in keiner besonders guten Verfassung, ja, ehrlich gesagt ging es mir ziemlich miserabel.

Thema der EMDR-Sitzung

Genau an den Auswirkungen dieser Lebenssituation wollten wir in der Sitzung wieder ansetzen. Das Thema der gefühlten Wert- und Machtlosigkeit war ja bereits in der vorherigen Sitzung „Der Abfall“ im Fokus – nun lohnte es sich, dieses noch einmal aufzugreifen.

Zum Thema erklärten wir: Ich fühle mich klein und machtlos.

Und das Ziel war damit: Ich fühle mich groß und habe Macht über mein Leben.

Ich suchte mir die Situation aus der letzten Sitzung noch einmal heraus: Wie ich an den Mülltonnen mit meinem Lieblingsstuhl und meinen Spielsachen stand.

Der Weg

Ich hatte in den ersten Pendelphasen große Schwierigkeiten mich in die Situation hineinzufinden – ich spürte mich, meinen Körper nicht. In und an meinem Körper ziepte und zwickte es. Die Anspannung war so groß, dass ich bereits am Anfang zuckte.

Von der Situation an den Mülltonnen wurde ich immer wieder zurück gerissen und sah mich auf der Bank sitzen, auf der ich tags zuvor weinend und depersonalisierend nach der Fielmann-Situation saß.

Als ich mit dem Gefühl der Machtlosigkeit endlich in Kontakt kam, saß ich letztendlich auf der Bank im Park.

Ich sehe vor mir wie der Himmel immer dunkler, fast rabenschwarz, wird und sich auf mich hinabbewegt. Der ganze Himmel scheint sich zu senken – immer näher und näher an mich heran. Ich versuche durch das Heben meiner Hände und das Wegstoßen des Himmels meinen Kopf zu schützen.

Auf einmal begannen sich die Ränder der Gehwegplatten und anderer Gegenstände mehrdimensional in Rasierklingen bzw. scharfe Ebenen zu verwandeln, die in alle Richtungen in die Luft schnitten. Die Ebenen kamen neben dem dunklen Himmel nun auch auf mich zu und begannen mich zu schneiden.

Immer mehr verspürte ich Schmerzen in und an meinem Körper, aber vor allem an meinem Kopf, und verlor nach und nach die Kontrolle. Ich konnte nicht mehr richtig atmen oder mich zielgerichtet bewegen. Mein Therapeut (T.) sagte in den Pendelpausen immer wieder, dass mir irgendjemand helfen kann und wir wieder in die Situation hineingehen sollten.

Also sitze ich immer wieder auf der Bank und unter dem Winden vor Schmerz suche ich um mich herum nach Hilfe. Irgendwann kann ich mir A. vorstellen und er eilt herbei in seinem Ghostbuster-Anzug, zieht ein Schwert und fängt an die Ebenen, die auf mich zufliegen aufzuspießen. Weil dies nicht ausreicht erscheinen auf einmal die Trickfilmfiguren rund um Sailermoon und bekämpfen die scharfkantigen Ebenen. Doch trotz aller Bemühungen spüre ich, dass es nicht weniger wird – nicht die in mich schneidenden Elemente und nicht die Schmerzen im Körper, vor allem im Kopf.
Da überkommt mich ein dumpfes, ummantelndes Gefühl – ich werde nach hinten gezogen und befinde mich in einer alles dumpf erscheinenden, milchigen Kugel.
(Diese kenne ich bereits von früher – sie war in meinem Leben oft der Vorbote von Abspaltungsprozessen und der Beginn von Depressionen.)
Zuerst wehre ich mich dagegen. Aber irgendwann lasse ich einfach los und A. und ich wurden hineingezogen. Ich fühlte mich darin betäubt – physisch und psychisch. Draußen schneiden die Ebenen weiterhin überall umher und treffen auch immer wieder die Kugel. Allein die Berührungen der äußeren Hülle bereiten mir weiterhin Schmerzen – wenn auch nicht mehr so schlimm wie zuvor. Durchgehend spüre ich die immer weiter anwachsenden Kopfschmerzen.

Auf meinem Therapiestuhl spürte ich auch in den Pendelpausen, dass mich eine Art Migräne überfiel, alles war zu hell und ich musste meinen Kopf mit meinen Händen zusammendrücken, um von dem Schmerz abgelenkt zu werden. Immer wieder ging ich zurück in die erschaffene Situation, um mögliche Lösungen zu finden.

Als ich mit A. in der milchigen Kugel sitze und hinausblicke, denke ich an Seifenblasen, die ich erst gestern mit meinem Kind im Garten machte. Da entsteht in der Kugel, vor uns, eine kleine Öffnung, so wie ein Seifenblasenring, durch den man hindurchpusten und Seifenblasen entstehen lassen kann. Ich beobachte daraufhin, wie A. geschwind anfängt durch diese Öffnung hindurch zu pusten und es entstehen viele Seifenblasen außerhalb unserer schützenden Kugel. Auch ich möchte hindurchpusten und die schimmernden Blasen produzieren. Die Seifenblasen zerplatzen bei Berührungen mit den zerschneidenden Ebenen und allen anderen Objekten. Mit den Berührungen und dem Zerplatzen an Gegenständen, werden diese umhüllt mit dem Seifenblasenwasser und fangen daraufhin an sich aufzulösen – in für mich sichtbare Moleküle und Atome. Alles außerhalb der Kugel löst sich so nach und nach auf. Wir beobachten dieses Schauspiel und ich spüre, wie ich ein bisschen ruhiger werde. Dennoch tut mir mein Kopf weiterhin weh.

In den Pendelpausen durchdachte ich die Situation immer wieder und konnte nicht verstehen, warum der Schmerz blieb – obwohl ich alles schmerzbereitende um mich herum auflöste. T. sagte immer wieder zu mir, dass ich mich nun auf den Kopfschmerz konzentrieren solle.

In der milchigen Kugel dreht sich A. daraufhin zu mir um und ich spüre, dass er den Schmerz in mir genauso auflösen möchte wie die Gegenstände außerhalb von uns. Er legt seine Hände auf meinen Kopf und versuchte die Schmerzen in Atome aufzulösen. Doch der Schmerz geht nicht… Es funktioniert nicht…

T. sagte zu mir, dass ich mich dann wieder auf den Schmerz konzentrieren solle, was sehr schwer war.

Ich sitze weiterhin in meiner Kugel und spüre die Schmerzen, versuche alles um mich herum auszublenden. Ich bekomme schlecht Luft, zittere und fange wieder an zu zucken. Es fühlt sich immer mehr so an, als wenn etwas auf meinen Kopf einschlägt – ich versuche mich mit erhobenen Händen zu schützen. Es tauchen Bilder auf, eine Hand, ein Körper, ich kann nicht erkennen wer es ist. Irgendjemand oder irgendetwas schlägt auf meinen Kopf ein und mir ist, als verliere ich das Bewusstsein. Mir wird übel.

T. wies mich in weiteren Pausen auf Hilfsmöglichkeiten hin, auf die ich mich jedoch nur schwer konzentrieren konnte. Der Kopfschmerz fühlte sich so real an – als wenn ich am Kopf schwer verletzt und verwundet bin. Immer wieder artikulierte ich, drückte meinen Kopf zusammen und sagte sowas wie: „Mein Kopf, mein Kopf, tut so weh, er ist kaputt, kaputt, er ist kaputt…“ Doch T. blieb ruhig und wies mich immer wieder an in die Situation zurückzugehen, um mir helfen zu lassen: „Was kann Ihnen helfen?“

Nach einiger Zeit schaffe ich es mir vorzustellen, wie meine Fee herbeifliegt. Sie schlüpft durch das kleine Seifenblasenloch und versucht mit ihrem Zauberstab den Schmerz aus meinem Kopf herauszuziehen. Zeitgleich geht A. hinaus in die Außenwelt, in der nun nur noch kleine bis ganz große bunte Kugeln bzw. Blasen liegen, die den gesamten Boden säumen. Es erleichtert mich, keine Ecken mehr zu sehen. Durch das helle Farbenspiel flammt etwas Freude und Hoffnung in mir auf.

Der Heilungsversuch mit dem Zauberstab bringt keine Linderung, weshalb A. und Fee nun gemeinsam meinen Kopf berühren. Fee beginnt meine Haare abzurasieren. Zum Vorschein kommen viele Narben, alte, neue, verheilte und offene. Manche sind kaum noch zu sehen, aber viele verkrusten erst und andere bluten. Als ich dies sehe und spüre fühlt sich der Schmerz noch schlimmer an. In dem ich nun die Herkunft der Schmerzen genau sehen kann, wird es klarer in mir, die Schmerzen lokalisieren sich nun dort, wo die offenen Wunden sind und strahlen von dort aus. Ich sehe Fee an und sage ihr, dass es so weh tut – immer wieder. Und als Sie dann sagt, dass Sie es sehen kann, fange ich bitterlich an zu weinen. Ich fühle die Erleichterung, jetzt, wo es jemand sehen kann. Ich fühle mich gesehen, gefühlt, verstanden und es ist, als wenn ein riesen Ballast von mir fällt.

Fee holt zwei weiche Pinsel heraus und streicht damit langsam über die Narben und Wunden. Ich spüre eine Entspannung und eine gewisse Erleichterung. Dann beginnt sie mit den Pinseln Salben auf meiner Kopfhaut aufzutragen. Als alle Wunden damit bedeckt sind, umwickelt sie meinen Kopf mit einem Verband und sage, dass es erstmal heilen muss. In und an meinem Kopf drückt es weiterhin und ich spüre den mich umhüllenden Verband. Um mich abzulenken, gehe ich zu A. und beginne, so wie er, aus den bunten Kugeln neue Gegenstände in dieser Welt zu erschaffen. Aber die Schmerzen nehmen mich immer noch ein. Ich sehe A. an und er erwidert meinen Blick.
Dann sage ich zu A.: „Es ist schlimm.“
Und A. antwortet: „Ja, es ist schlimm.“
Und ich sage wieder: „Es ist schlimm.“
Und A. antwortet wieder: „Ja, es ist schlimm.“
Dies sagt er mit einer solchen Ersthaftigkeit, dass ich zusammensacke. Ich fühle mich schwach. Ich kann gerade nichts tun. Und ich sage: „Ich bin so müde.“ Und A. erwidert liebevoll: „Dann leg Dich hin und schlaf. Ich bau weiter. Du musst gar nichts tun. Nichts tun.“ In mir regt sich eine Angst vor Gefahr und ich denke daran wieder verletzt zu werden, sobald ich mich ausruhe und weniger wahrnehme. Also frage ich noch: „Und wer passt auf?“ Und er sagt: „Du lehnst Dich zurück, ruhst Dich aus und ich passe auf, dass nichts passiert.“

Ich lege mich in die Kugel, spüre eine unglaubliche Müdigkeit, mein Körper sackt zusammen, ich kann freier atmen und alles um mich herum verschwindet.

Ich schlafe und spüre in dieser sanften und sich geborgen anfühlenden Dunkelheit, wie meine Verletzungen anfangen zu heilen.

Auf meinem Stuhl in der Therapie folgte ich dem Pendeln weiter, wurde jedoch immer müder und hatte Mühe meine Augen offen zu halten.

Ich wache irgendwann wieder auf und möchte erneut beim Bauen außerhalb der Kugel helfen. Aber ich falle beim Aufstehen wieder zurück in die Kugel und spüre erneut Schmerzen in und an meinem Kopf. Der Schmerz ist wieder da, döller als zuvor, ich fange an zu weinen und Fee kommt erneut angeflogen. Schnell nimmt sie den Verband ab und sieht, dass einige Wunden immer noch offen sind. Mein Kopf brennt wie Feuer, ich winde mich, habe das Gefühl es prescht immer noch etwas auf meinen Kopf ein und werde gleich ohnmächtig. Fee säubert schnell die Wunden. Dann schaut sie mich auf einmal eindringlich an und sagt, dass wir die Wunden ansehen müssen, wir müssen genau hinsehen!

In dieser Situation setzten wieder die bekannten Schmerzen ein, doch nun kam noch dazu, dass ich dem Pendel mit meinen Augen kaum noch richtig folgen konnte, da mir der Schmerz so groß erschien, mir immer schwindeliger wurde und sich die Übelkeit verstärkte. T. sagte immer wieder, dass ich wieder hineingehen solle in die Situation und mir helfen lassen kann.

Fee starrt mich an und besteht darauf, dass wir beide jetzt genau hinsehen. Also verlasse ich meinen Körper und kann nun von oben auf meinen Kopf sehen. Ich sehe blutende Wunden, einige klaffen offen und es fängt an Eiter herauszulaufen. Es ist für mich kaum auszuhalten diesem Anblick Stand zu halten, ich möchte mich übergeben und wegrennen – aber Fee hält mich fest… Und dann lasse ich einfach los und weine… Ich betrachte es einfach… und weine…

Langsam verändert sich der Eiter. Aus dem Sekret werden… blaue Schmetterlinge. Sie fliegen in der Kugel, in der ich noch immer lag, umher. Es werden immer mehr und ich sehe diese Kugel nun wie eine „Schneekugel“, nur, dass statt des Schnees viele blaue Schmetterlinge umherflattern.
Umso mehr Eiter sich verwandelt, umso weniger geschwollen und blutig erscheinen die Wunden. Als kein Sekret mehr austritt, legen sich die Hautlappen wieder sanft auf meinen Kopf. Fee beruhigt die Kopfhaut mit ihren Pinseln und kremt die letzten offenen Wunden erneut ein, legt noch einmal einen Verband um, lächelt mich an und fliegt davon.
A. öffnet nun die Kugel ganz und die blauen Schmetterlinge flattern in die erschaffene bunte Welt. Alles sieht so freundlich aus. Ich gehe hinaus und betrachte die Schmetterlinge überall um mich herum.
Ich spüre, dass die Schmetterlinge für mich Symbole sind. Sie stellen die „Kinder“ dar, sind erwachsen aus all meinen Erfahrungen, sind die Resultate meiner erfahrenen Schmerzen. Ich fühle mich stark verbunden mit ihnen, sie wissen genau, was ich erlebt habe, weil sie ein Teil davon waren. Ich sehe wie sie sich bewegen und da sind. Und doch sind sie schön anzusehen – und ich spüre, dass sie niemals weggehen werden. Aber nun sind sie zu etwas Schönem geworden, etwas, was ich ansehen kann, ohne Schmerzen zu empfinden.

Die Schmetterlinge zeigen mir, dass auch aus all dem Schlimmen etwas Schönes erwachsen kann für meine Welt – was diese bunt macht. Die Schmetterlinge erwachsen aus dem Schmerz und bewegen sich leicht beflügelt umher. Am Ende steht also nicht der Schmerz, sondern diese wunderschönen Geschöpfe, die mir ein gutes Gefühl bei der Betrachtung geben.

Ich fühle mich leicht und bewege mich durch die erschaffene Welt. Auch wenn ich mich erschöpft fühle und immer noch im Heilungsprozess meiner Wunden befinde, spüre ich Zufriedenheit. A. zeigt mir alles Erschaffene und sagt, dass nur er und ich diese Welt verändern können – niemand sonst kann hier eingreifen.

Ich spürte während der Pendelpausen einen Druck um meinen Kopf und hatte das Gefühl, dass es vom eng anliegenden Verband kam. Auch wenn die Schmerzen nicht mehr so wie vorher da waren, spürte ich doch, dass da etwas war, dass da Narben waren. Ich fragte mich, ob diese Narben vielleicht niemals ganz verheilen würden oder ob immer etwas zurückbleiben würde…
Und insgeheim hoffte ich, dass es letztendlich nur die Schmetterlinge sind, die bleiben.

Nachwirkungen

Nach der EMDR-Sitzung empfand ich diese als bisher anstrengendste Therapiesitzung. Ich fühlte mich direkt danach sehr mitgenommen, als wenn ich weiterhin neben mir stehen und den Druckverband spüren würde.

Ich war wie benommen, mein Kopf dröhnte teilweise und die Schmerzen waren für mich nicht so, als wenn sie nur in meiner Fantasie da gewesen waren, sondern als wenn ich sie real erlebt hätte. Ich spürte dies noch einige Tage und hatte teilweise das Gefühl sowas wie eine Gehirnerschütterung zu haben.

Das waren bisher die heftigsten Nachwirkungen, die ich in der Therapie erlebt habe.

Als ich meinem T. in der darauffolgenden Woche davon erzählte, meinte er, dass wir ab jetzt mehr Zeit am Ende investieren, um aus der Situation herauszuführen.

Durch die Zeit der EMDR-Sitzungen wurde mir mehr und mehr bewusst, dass ich viele Dinge aus meiner frühen Kindheit verdrängt haben muss, viel Gewalt und Schmerzen. Aber es ist auch gut so, ich möchte letztendlich gar nicht mehr sehen, was da alles passiert ist. Es hat mir gereicht einige Bilder zu sehen, die körperlichen Schmerzen, die Körpererinnerung noch einmal zurückzuholen und sie nun vllt. in etwas transformiert zu haben, mit dem ich heute besser leben kann.

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