Aufwachen mit Trauma


Beitrag von Maike
photo by Maike
⏱ Geschätzte Lesedauer: 2 Minuten

Manchmal wache ich morgens auf und es ist direkt alles furchtbar. Flashbacks an Situationen aus Traumata sind mir direkt vor Augen. Man ist durchgeschwitzt von den quälenden Albträumen. Die Bilder tauchen immer wieder auf. Man ist körperlich wieder in dieser Situation. Die Machtlosigkeit wird größer und die Hoffnung auf Heilung und ein normales Leben kleiner. Man wurde am liebsten direkt im Bett liegen bleiben, sich eine Schlaftablette einwerfen und den beschissenen Tag verschlafen.

Aber jedes Mal, wenn ich diese Möglichkeit in Erwägung ziehe, denke ich mir, dass alles zu verschlafen zu einfach wäre. Die Flucht löst das Problem nicht. Im Gegenteil, spätestens wenn man am nächsten Morgen aufwacht, hat man ein schlechtes Gewissen, dass man sich gegen den letzten Tag entschieden, die Zeit auf dieser Welt nicht genutzt hat.

Mit diesem Wissen stehe ich also doch auf. Der emotionale Schmerz pocht unerträglich in meiner Brust. Aber jedes schlechte Gefühl ist trotzdem ein Gefühl, ein Lebenszeichen. Ein Zeichen dafür, dass du allen doch irgendwie überlebt hast. Teilweise taucht in mir die Frage auf, warum man mit diesem Leid überhaupt weiter Leben möchte. Ganz einfache Antwort: Sterben ist keine Option. Damit würde ich bloß all meinen Tätern einen Gefallen tun, ihnen die Schuld nehmen und mir das Leben. Dabei kann ich die Schuld nicht bei mir suchen. Somit habe ich den Tod nicht verdient.

Auch wenn jetzt grade alles furchtbar ist, der erste Zusammenbruch im Anmarsch ist und das heute nicht der letzte sein wird, habe ich diesen Tag überlebt. Nicht nur überlebt, sondern gelebt. Ich habe gelebt, denn ich habe gefühlt und bin mit diesen Gefühlen umgegangen.

Ich mag diese Tage und Gefühle nicht. Diese Zusammenbrüche und Flashbacks sind kaum auszuhalten. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie man daran zugrunde geht. Man spürt sie in den Knochen, die emotionalen Schmerzen werden zu körperlichen Schmerzen. Manchmal wünsche ich mir nichts mehr, als überhaupt nichts mehr zu fühlen. Aber auch dann kommt mir jedes Mal der Gedanken, dass das zu einfach wäre. Mir würde so viel Gutes entgehen. Dann bin ich wieder bereit, das Schlechte auszuhalten.

Mir kommt alles so ungerecht vor. Meine Täter dürfen normal leben, haben keine Sorgen, keinen Kummer, so scheint es. Das Einzige was bleibt, ist die Hoffnung, dass es so Etwas wie Karma wirklich gibt und es sich um diese Menschen (Täter) kümmern wird. Und auf diesen Moment werde ich warten und zusehen. Dafür muss ich aber leben. Und so stehe ich diesen Tag durch. Egal wie schlimm er sein mag und werden wird.

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