Über Vermeidung, Dissoziation und Hyperarousal


Beitrag von Sammy
⏱ Geschätzte Lesedauer: 3 Minuten
Beitragsbild von Pixabay

Ich habe lange nichts von mir hören lassen..

Jetzt bewegt es mich aber dazu, endlich wieder einen Beitrag zu verfassen.
Vor allem, weil ich eigentlich schon seit einigen Wochen das Gefühl habe, all das was ich gerade erfahre, fühle, denke und durchlebe zu teilen.

Hinter mir liegen turbulente, aufregende, wunderschöne, anstrengende, kräftezehrende, emotionale Wochen. Ich kann gar nicht zu viele beschreibende Adjektive verwenden, denn es war gefühlt alles dabei.

Alles in allem waren die letzten Wochen aber vor allem geprägt von Fortschritt und persönlichem Wachstum.

Ich versuche es etwas zu ordnen:

Drei große Themen, die mich in den letzten Wochen begleitet haben, waren Vermeidung, Dissoziation und Hyperarousal.

Vermeidung:
Vermessung ist bei mir ein schwieriges Thema. Meine Therapeutin sagt mir ständig, ich müsse aus der Vermeidung herauskommen, die Angst vor den Gefühlen zulassen und einfach alle Gefühle fühlen, die da sind.
Denn ohne Gefühle fühlen, keine Heilung.
Das ist mir bewusst und ich möchte meine Gefühle auch nicht vermeiden.
Ich habe den Wunsch und den Willen, alles zu fühlen, was gefühlt werden möchte und was gefühlt werden muss.

Trotzdem fällt es mir immer wieder schwer. Warum?


Ich glaube deshalb, weil die Gefühle manchmal einfach nicht „durchkommen“.

Mein Hirn ist teilweise scheinbar schon so automatisiert, dass es, sobald schwierige Gefühle kommen, diese direkt von sich abspaltet.


Das Endergebnis ist, dass ich Tage oder Wochen lang wie ein Zombie durch die Welt laufe.
In den letzten Wochen war es an einigen Tagen so schlimm, dass ich in einer kompletten Derealisierung gelebt habe. Ich habe meine eigene Realität nicht mehr erkannt. Alles hat sich unsicher angefühlt. Ich war mir nicht sicher, was in meinem Leben wirklich existiert und was nicht. Alles schien fremd. Alles schien unwirklich. Wem oder worauf kann ich Vertrauen?

Eine Frage, die ich in solch einer Phase nicht zu beantworten weiß.

Die Dissoziation ist für mich gleichbedeutend mit meinem persönlichen inneren Tod. Der Inbegriff von „mich selbst verlieren„. Ein Zustand, der für mich unerträglicher ist, als alle schwierigen Gefühle auf einmal.
Ich habe große Angst davor, dass die Dissoziation in der Intensität noch einmal „zurückkommt“.
Und paradoxerweise scheint es für mein Hirn trotzdem die Strategie zu sein, mich am besten zu beschützen.
Das ist wiederum ein Gedanke, der mir hilft etwas liebevoller auf diesen Zustand schauen zu können.
Am Ende möchte mein Hirn nur, dass ich überlebe.

Ein weiteres Thema, welches mich sehr beschäftigt und umtreibt ist ein ständiges Hyperarousal. Oder auch eine ständige Agitiertheit.


Schlaflose Nächte, ständige Wachsamkeit, Anspannung.


Mit zusammengebissenen Zähnen und hochgezogenen Schultern laufe ich durch den Wald und versuche mich zu entspannen.


Hinsetzen, Ruhe finden? Entspannt in der Sonne liegen? Gemütlich Frühstücken?
Alles Dinge, die mir in solch einem Zustand fremd sein.


Stattdessen feuert mein sympathisches Nervensystem, als würde ich mich vor einer Dauerflucht vor einem Säbelzahntiger befinden.

Ich habe das Hyperarousal noch nicht ganz verstanden, wenn ich ehrlich bin.
Dient es dazu der Dissoziation zu entkommen und mich wieder mehr zu spüren?
Oder ist es ein Mechanismus, der die Dissoziation noch weiter befeuert und trägt so dazu bei, dass ich noch weniger fühle?

Wie auch immer…Flucht bedeutet Lebensgefahr.
Das ich nicht in Lebensgefahr bin, dass weiß mein Verstand. Doch mein kPTBS Gedächtnis weiß es nicht.

Der Kampf zwischen diesen zwei Fronten „Verstand“ und „Traumagedächtnis“ ist anstrengend.
Er nimmt mir die Kraft, selbst die schönen Dinge zu genießen und fühlen zu können.
Diese Anstrengung äußert sich bei mir in Depression. Dann ist da nicht einmal mehr die Kraft, die einfachsten Dinge zu erledigen.

Den Müll herausbringen…eine Aufgabe, die an manchen Tagen einfach zu viel ist.

Auch die generelle Konfrontation mit alltäglichen Reizen wird mir in solchen Zeiten schnell viel zu viel.
Viele Menschen, laute Musik, Durcheinander, zu viel Abwechslung…
All das bringt mich dann extrem aus dem Konzept. Dann schalte ich ab und würde mich am liebsten irgendwo zusammengekuschelt auf den Boden unter eine Decke legen wollen.

Ich habe hier jetzt viel über meine Gefühlszustände geschrieben.
Natürlich ist aber auch auf der Handlungsebene viel passiert.
Viel Therapie, intensive Erfahrungen mit dem Mann, den ich aktuell kennenlerne..(darüber aber bald mehr)…

Ich denke über all die Themen werde ich nochmal extra Beiträge schreiben.

Aktuell befinde ich mich in der Lernphase für meine anstehenden Klausuren Anfang/Mitte Juli.
Lernen ist tatsächlich eines meiner effektivsten Skills. Die Uni gibt mir viel Stabilität. Dafür bin ich sehr dankbar. Denn dass das funktioniert, darauf kann ich mich tatsächlich immer verlassen.

Wie auch immer..ich denke, dass ich in den nächsten Wochen bis zu den Klausuren wenig Raum für einen weiteren Beitrag haben werde.
Meine Liste mit den Dingen, über die ich schreiben möchte und sie mit euch teilen möchte, wird trotzdem länger und länger.
Ich freue mich auf meine Semesterferien, die ich viel dazu nutzen werde, um endlich wieder mehr zu schreiben und Raum dafür zu haben, meine Gedanken und Erfahrungen und Gefühle mit euch zu teilen.

Eure Sammy!

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