#Trau(Ma)ma: kPTBS & Mutter sein


Beitrag von Gastautor*in LaPatrićia
⏱ Geschätzte Lesedauer: 3 Minuten
Beitragsphoto von LaPatrićia

Je mehr ich mich über Bindungs-/Entwicklungstrauma in Form von Büchern und Podcasts informiere, umso mehr reflektiere ich auch mein Sein als Mama.
Ein sehr sehr sensibles Thema, welches mit viel Schmerz, Scham und Schuld verbunden ist.

Mein Weg hin zu meinem wahren Kern begann vor 8 Jahren mit der Geburt meines Sohnes.
Ach, hätte ich doch schon damals mein Wissen von Heute gehabt. Ich hätte vieles anders gemacht…
Aber ich wusste es nicht besser! Wirklich!
Ich hielt ein kleines Würmchen in meinem Arm, das ich nichts mehr als lieben und beschützen wollte.
Er hörte aber einfach nicht auf zu schreien.
Ich war fertig mit den Nerven.
Ich trug ihn Tag und Nacht in der Hoffnung, dass er bitte einfach nur leise ist.
An manchen Tagen hörte er gefühlt niemals auf zu weinen….

Heute weiß ich, dass er sich nicht beruhigen konnte, weil mein Nervensystem völlig in der Überreaktion war.
Ich konnte ihn einfach nicht Co-regulieren, weil ich nicht in der Lage war, mich selbst zu regulieren.
Sein Schreien hat mich so in Panik versetzt, weil ich selbst innerlich schrie. Meine kleine Patricia, die viele Monate in ihrem jungen Leben nicht gehört und getröstet wurde, weil ihre eigene Mutter in absolute Erstarrung gefallen ist.

Noch heute ertrage ich es nicht, wenn ich ein Baby schreien höre. Es zerreißt mich innerlich.

Ich habe nächtelang nicht geschlafen.
Ich hatte so fürchterliche Angst.
Ich wollte so sehr für dieses Baby da sein, aber ich hatte keine Ahnung wie das funktionierte.
Zum Glück bin ich schon immer ein Mensch gewesen, der sich Hilfe holen konnte.
So auch damals.

Wisst ihr, ich wollte niemals Kinder.
Mein Sohn war nicht geplant.
Ich war wegen einer starken Blasenentzündung beim Gynäkologen. Als er mich nach meiner letzten Periode fragte, geriet ich ins stocken… darauf habe ich damals nicht geachtet, ich konnte es also nicht sagen.

„Herzlichen Glückwunsch Frau L., sie sind schwanger. Da schlägt schon das Herzchen“.

Es rauschte in meinen Ohren.
Die Stimme des Arztes hörte ich nur noch aus weiter Ferne.
Aber ich sah auf dem Ultraschallgerät dieses tuckernde Herz schlagen und ich spürte ganz tief, dass ich dieses Wesen unendlich liebte.
Die Schwangerschaft habe ich übrigens sehr genossen, ja sogar geliebt!

Dass Liebe und tiefer Schmerz manchmal sehr nah beisammen liegen, merke ich erst, seitdem er auf der Welt ist.

Wir Mütter, die Trauma erfahren haben, leisten unwahrscheinlich viel. Alle! Jede auf ihre Weise.
Wir geben unser bestes. Jeden verdammten Tag.

Aber es ist hart.
Zumindest für mich.
Ich befinde mich manchmal so im Traumastrudel, dass ich vieles vermische, was nichts mit meinem Sohn zu tun hat.
Mir hilft Achtsamkeit und Austausch mit meiner Therapeutin, mit der Erziehungsberatung, der Lehrerin. Seit 3 Wochen geht er zu einer sehr lieben Verhaltenstherapeutin. Weil er oft überreagiert. Er ist manchmal so voller Wut und Zorn, kann sich schwer selber regulieren.
Ich merke, wie ich mich oft schuldig fühle.
Vom Kopf her weiß ich, dass mich/uns diese Schuld nicht weiterbringt. Ich will nach vorne sehen. Ihn halten, begleiten, ihm Raum geben.
Aber oft fällt mir das sehr schwer.

Ich gehe offen und kindgerecht mit meiner Erkrankung um. Lange Zeit wollte er darüber nie reden. Nun fragt er immer mehr. Was genau in meiner Kindheit geschehen ist und ob er auch „diese Krankheit“ hat.
Ich erzähle ihm keine Details, erkläre, dass er sich nicht Sorgen muss und dass ich eine tolle Therapeutin habe, die mich unterstützt. Und dass er keine Krankheit hat, sondern einfach lernen darf, besser mit seinen Emotionen umzugehen. Ich wusste daraufhin nicht mehr zu sagen, die Frage überforderte mich ein wenig. Aber diesbezüglich werde ich noch Rücksprache mit der Therapeutin halten.

Es ist kein leichter Weg!
Aber ich weiß, ich tue mein Bestes um diesem wundervollen Wesen einen guten Weg ins Leben zu zeigen.

Leider gibt es sehr wenig Podcasts und auch Bücher über traumatisierte Mütter und ihre Kinder.
Ist das tatsächlich noch heute so ein Tabuthema oder habe ich was übersehen?

LaPatrićia


Instagram: la_patricia17
Facebook: La Patricia
E-Mail: Lapatricia1783@gmail.com

Meine Name ist Patricia und ich übe Leben mit einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung.
Und ich bin Mama – definitiv die herausforderndste Aufgabe meines Lebens.
Wie Gertrud von le Fort einst schrieb:

„Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind.“


Das Herzenskind ist 8 Jahre alt, gefühlsstark, überdurchschnittlich intelligent und war Besitzer eines aggressiven Tumors im Knie. Dieser wurde nun entfernt und wir arbeiteten an seiner Genesung, was gerade sehr herausfordernd ist. Denn auch ich arbeite an meiner Genesung… Zu meinen treusten Begleitern gehörte eine Essstörungen und auch der Alkohol war mir viele Jahre ein guter Freund.
Ich verstehe nun immer mehr, dass er all meine Emotionen nur betäubt und nicht getötet hat. Sie sind noch immer da und kommen mich jetzt sehr oft besuchen. Manchmal überfluten sie mich regelrecht, womit ich noch nicht so ganz zurecht komme, aber ich entwickle fleißig Strategien, um dann gut für mich sorgen zu können.
Ganz tief in meiner Seele waren einige Schachteln vergraben. Ich habe vergessen das es sie je gab. Sie sind wieder zum Vorschein gekommen. Meine Körper hat sich plötzlich erinnert… Ich erlebe immer und immer wieder furchtbare Ängste, Bilder, dunkle Emotionen. Und dabei sehne ich mich so sehr nach dem Licht! Ich möchte einfach nur meine Flügel ausbreiten und fliegen, völlig schwerelos und losgelöst von allen Schatten der Vergangenheit!
Heimwärts ~ Richtung Liebe und Leben.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. overme sagt:

    Danke für deinen Beitrag. Dazu gibt es in der Tat sehr wenig….. Weil das Thema vielleicht auch von Seiten der Mütter voll ist mit Scham und Schuld???

    Gefällt 3 Personen

    1. Patricia sagt:

      Danke dir für deine Rückmeldung 🙂
      Schuld und Scham – ja, die beiden kenne ich auch sehr gut 😉
      Leider ist das baden in diesen Emotionen weder angenehm noch hilfreich . Allerdings fällt es auch mir noch nicht leicht diesen Kreislauf zu unterbrechen. Ein geschützter Rahmen wo Mütter sich austauschen könnten,wäre sicher eine hilfreiche Sache. Verbindung ist so wichtig!

      Gefällt 3 Personen

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